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| Talk des Tages |
| Paul van Dyk |
| Zweimal wurde er bereits zum weltbesten DJ gewählt, er gilt als unbestrittener Weltstar der elektronischen Tanzmusik. Wenn er nicht am Mischpult steht, arbeitet van Dyk als Produzent, Radiomoderator und Labelmanager. |
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| ?: Vor kurzem haben Sie das zehnjährige Jubiläum Ihres Labels VANDIT Records gefeiert. Warum ist es Ihnen wichtig, Ihre eigene Musik - und die von anderen Künstler selbst zu produzieren? |
| Paul van Dyk: Wir haben vor zehn Jahren angefangen, weil es unglaublich viel Musik gab, die nie wirklich veröffentlicht worden ist, die aber toll war. Wir wollten einfach eine Plattform schaffen für genau diese Musik und natürlich auch die Künstler, die dahinter stehen. |
| Sie sind in Eisenhüttenstadt geboren und in Berlin aufgewachsen. Wie kamen Sie zur Musik? |
| Paul van Dyk: Ich habe als Zehnjähriger immer während des Hausaufgabenmachens Radio gehört. Und dann habe ich irgendwann mal die Musik für mich entdeckt als was ganz Besonderes. Ein bisschen später wurde es dann elektronische Musik. Und dann ging es einfach weiter. Die Mauer war weg. Ich bin in die ganzen Clubs gegangen in Berlin und war dann mit dem Virus der elektronischen Musik infiziert. So hat sich das Ganze dann zu einer mittlerweile recht langen Karriere ausgewirkt. |
| Sie sind permanent weltweit unterwegs und kennen wahrscheinlich jede Airline zwischen Nord- und Südpol. Wie verreisen Sie innerhalb Deutschlands? Auch mal mit der Bahn? |
| Paul van Dyk: Hin und wieder schon. Es gibt auf jeden Fall Distanzen, da macht ein Flugzeug überhaupt gar keinen Sinn, und da ist man auch schon mal gerne mit der Bahn unterwegs. |
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| Am 9. November 2009 sind Sie im Rahmen des 20. Jahrestages des Mauerfalls am Brandenburger Tor vor Staatsgästen aus aller Welt aufgetreten. Was war das für ein Gefühl? |
| Paul van Dyk: Das ist natürlich grundsätzlich erst einmal eine Riesenehre, wenn quasi das eigene Land fragt, ob man sich vorstellen kann, für so einen wichtigen Termin ein Stück Musik zu machen und aufzutreten. Das war schon sehr interessant. Von mir aus gesehen rechts war halt dann wirklich alles, was so Rang und Namen hatte aus dem politischen Leben. Das war schon besonders. Mein Ansatz war allerdings nicht unbedingt nur ein lokaler, einer, der mit Berlin oder Deutschland zu tun hat, sondern letztendlich steht dieser Tag so ein bisschen auch als Referenz, als Synonym für die komplette Liberalisierung, wenn man so will, von ganz Osteuropa. Die Diktaturen sind letztendlich alle weggewesen und viele, viele Leute haben die Möglichkeit gehabt, dadurch dann eben ihr Leben auch in Freiheit und Demokratie zu gestalten. Und dieser 9. November ist letztendlich, sagen wir mal, der symbolträchtige Tag dafür. |
| War das bisher Ihr speziellster Auftritt oder gibt es einen anderen Höhepunkt in Ihrer Karriere? |
| Paul van Dyk: Für mich ist jeder Auftritt immer auch etwas Besonderes, aber natürlich muss man sagen, ist das natürlich vor dem Brandenburger Tor, bei so einer Kulisse schon immer auch ... Das kann man relativ schwierig toppen. |
| Am 11.September steht ja jetzt Ihr wohl bis jetzt größter Auftritt dieses Jahres an in der O2-World in Berlin. Auf was können sich die Fans da freuen? |
| Paul van Dyk: Es ist auf jeden Fall einer der größten, die wir haben in Deutschland. Und ich freue mich natürlich besonders drauf. Wir werden unter dem Motto We are one eben wirklich alles mögliche präsentieren, was Rang und Namen hat im Bereich der elektronischen Musik. Wir haben sehr, sehr tolle Künstler gewinnen. Und wir wollen einfach versuchen, etwas auf die Beine zu stellen, was eben auch nachhaltig wirkt. Es ist ja immer leider so, dass Sachen in Genres, in Kategorien gepresst werden. Es geht letztendlich darum, wir alle lieben elektronische Musik. Jeder hat seine eigenen Ideen davon, aber das hat mit dem Impact, den diese Musik für uns hat, nichts zu tun. Es geht eben um We are one, wir präsentieren unsere Musik dort bei diesem Event. |
| Wie aufwändig ist die Vorbereitung? |
| Paul van Dyk: Ich habe zwei Computer auf der Bühne, die sind miteinander verkoppelt, das heißt, die kommunizieren miteinander. Ich habe Keyboards auf der Bühne. Ich habe einen eigens für mich hergestellten Mixer, mit dem ich all das bedienen kann, was ich da machen muss. Und insofern ist das schon wesentlich komplexer als früher, einfach nur so eine Platte in die andere zu mixen. Für mich war es immer wichtig irgendwie auch zu zeigen, dass elektronische Musik auch Grenzen erweitern kann - nicht nur im Kreativen, sondern auch in der Art und Weise, wie es präsentiert wird, die Technik, die man benutzt und so weiter. Die Verbindung zwischen meiner Leidenschaft als Musiker und meiner Leidenschaft als DJ ist für mich genau das, was ich damit jetzt auf der Bühne machen kann. |
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| Bewegtbild: Welche Musik hören Sie privat? |
| Paul van Dyk: Es gibt so viele spannende Sachen zu entdecken. Ich habe jetzt gerade einen Artist quasi gefunden. Ich weiß gar nicht, ob der schon lange dabei ist oder nicht. Auf jeden Fall habe ich sein Album noch nicht mal bei iTunes gefunden. Das heißt, es muss ganz frisch sein. Der heißt Fyfe Dangerfield. Kann ich nur empfehlen. Es gab gerade im letzten Jahr viele, viele spannende Sachen. Da gibt es einiges, was man entdecken kann. |
| Sie engagieren sich auch sozial und haben unter anderem den Verdienstorden in Berlin bekommen. Wofür engagieren Sie sich? |
| Paul van Dyk: Hier in Berlin ist es das Projekt Rückenwind, das heißt eine Zusammenarbeit zwischen dem Haus der Familie vom Deutschen Roten Kreuz und mir. Wir kümmern uns explizit um Kinder, die aus, sagen wir mal, Familiensituationen kommen, die nicht ganz ideal sind aus unterschiedlichsten Gründen. Über unterschiedliche Kursangebote, die wir machen, versuchen wir ihnen einfach Halt und vor allen Dinge auch eine Option für ihre Zukunft zu geben. Sie ein bisschen mehr auf das vorzubereiten, was da noch auf sie zukommt. Es gibt so Sachen wie die Helden AG, wo Anti-Aggressiv-Training stattfindet, wo Kommunikation unter Gleichaltrigen geübt wird. Weil viele dieser Kinder, die nicht die Möglichkeit hatten, in die Kindertagesstätte zu gehen, die sitzen dann das erste Mal wirklich mit Gleichaltrigen zusammen in einer Klasse, wenn sie in die Schule kommen. Und dass das natürlich irgendwie eine ganze Menge Stress mit sich bringt, und die gar nicht in der Lage sind, überhaupt irgendwelchen Stoff aufzunehmen, ist klar. Wir versuchen einen gewissen Gegenpol zu setzen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, dass sie eben wirklich auch mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein da sitzen und auch etwas mitbekommen. |
| Quelle: Atkon AG/DB AG, 29. Juli 2010 |





